Hat mein Enkelkind eine Windeldermatitis?

windeldermatitis
Foto: Rawpixel.com/shutterstock.com

Ein wunder Po mit schmerzhaften, akuten Hautentzündungen: Die Windeldermatitis, auch bekannt als Windelausschlag, gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Aber woran erkennt man eine Windeldermatitis? Und was sind die besten Mittel dagegen? Wir haben die wichtigsten Fragen rund ums Thema mit einer Hautärztin besprochen.


Ein roter Po ist nichts ungewöhnliches.


Enkelkind.de: Frau Dr. Martin, Babys und Kleinkinder, die noch Windeln tragen, haben häufiger mal einen roten, gereizten Po. Ist das immer etwas Schlimmes?

Dr. med. Alice Martin: Ein roter Po ist erst einmal nichts Ungewöhnliches. Durch das häufige Wickeln und Abwischen ist die Haut im Po-Bereich einer ständigen Belastung ausgesetzt. Diese Rötung kann leicht mit Cremes behandelt werden und es gibt noch keinen Grund zur Sorge. Gefährlich wird es, wenn sich die Hautreizung entzündet und zu einer Windeldermatitis entwickelt.

Enkelkind.de: Einfach nur ein wunder Po oder schon eine Windeldermatitis — woran erkenne ich den Unterschied?

Dr. Martin: Ein wunder Po kann bei fehlender Pflege zu einer Windeldermatitis werden. Von Windeldermatitis spricht man dann, wenn zwischen den Oberschenkeln und am Gesäß scharf begrenzte und gerötete Hautbereiche und eine gerötete und aufgeweichte Haut auftauchen. Zum Teil bilden sich kleine Pickel oder offene Stellen, welche sich auf die Innenseiten der Oberschenkel und den Bauch ausdehnen können. Die betroffene Haut kann bei Berührung schmerzen, jucken oder brennen.

Enkelkind.de: Und muss man damit auf jeden Fall zum Kinderarzt?

Dr. Martin: Sobald eine Entzündung beziehungsweise offene Stellen auftreten, sollte man auf jeden Fall den Haut- oder Kinderarzt aufsuchen. Der kann dann mit einem Abstrich klären, ob es zu einer bakteriellen Entzündung oder einem Pilzbefall gekommen ist. Denn die Windeldermatitis kennzeichnet nur eine gereizte Haut. Diese kann sich jedoch schnell entzünden und von Erregern besiedelt werden. Diese Folgeerkrankungen wir als „Windelsoor“ bezeichnet und sollte immer medizinisch behandelt werden.


Lieber sanft tupfen statt reiben.


Enkelkind.de: Wie wird die Windeldermatitis behandelt?

Dr. Martin: Damit sich die Haut von der Entzündung erholen kann, sind schon wenige Verhaltensänderungen wirksam.
Dazu zählen:
– Ein regelmäßiges Lufttrocknen der Haut
– Ein regelmäßiges Windelwechseln nach jedem Stuhlgang
– Eine gründliche Reinigung mit parfümfreien Produkten

Darüber hinaus sollten beim Abtrocknen reibende Bewegungen vermieden und die Haut stattdessen besser mit sanftem Druck abgetupft werden. Vor dem Anlegen der Windel sollte das Baby mit Wundschutz-Cremes eingerieben werden, die entzündungshemmend wirken und die Haut vor zusätzlicher Reizung (z.B. Urin) schützen. Der Arzt kann darüber hinaus bei schweren Fällen Cortisonsalbe für die entzündeten Stellen verschreiben. Außerdem kann Schafswolle helfen, die um die rötlichen Stellen gelegt wird.

Enkelkind.de: Ist Windeldermatitis ansteckend? Sollte man im Falle einer Dermatitis zum Beispiel nur noch mit Handschuhen wickeln?

Dr. Martin: Da die Windeldermatitis eine Hautreizung ist, die durch äußere Umstände ausgelöst wird, ist sie nicht ansteckend. Da schwere Formen der Windeldermatitis aber zu offenen Hautstellen führen können, empfiehlt es sich vor dem Wickeln und Eincremen penibel auf die Hygiene der eigenen Hände zu achten, damit keine Infektion entsteht.

Enkelkind.de: Warum bekommen manche Kinder eine Windeldermatitis und manche nicht?

Dr. Martin: Meistens spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die eine Windeldermatitis begünstigen. Eine Ursache ist die Windel selbst, da durch längeres Tragen die obere Hautschicht durch die Flüssigkeit in der Windel aufgeweicht wird. Dadurch wird dann die natürliche Schutzbarriere der Haut geschwächt, sodass Bakterien oder Pilze leichter eindringen können.


Schärfe und Säure reizen die Haut.


Es gibt aber noch weitere Faktoren, die Entzündungen hervorrufen oder begünstigen können. Weitere Risikofaktoren für das Aufquellen der Haut sind zum Beispiel reizende Substanzen in Urin oder Stuhl. Durch zu scharfe oder zu säurehaltige Nahrung gelangen diese in den Stuhl, wodurch der natürliche Hautschutz angegriffen wird. Gleiches passiert, wenn die Haut mit scharfen und parfümhaltigen Reinigungsmitteln behandelt wird. Ein anderer Grund für eine Entzündung kann eine Allergie, also zum Beispiel die Unverträglichkeit gewisser Pflegeprodukte oder Inhaltsstoffe von Windeln, sein.

Enkelkind.de: Ich glaube, mein Enkelkind hat eine Windeldermatitis, meine (Schwieger-)Tochter verneint das aber und sagt, ich übertreibe. Ich mache mir Sorgen um mein Enkelkind. Wie verhalte ich mich richtig?

Dr. Martin: Das ist natürlich eine sehr schwierige Situation, da man seine eigenen Kinder, also die Eltern, natürlich nicht bevormunden möchte. Ich rate zu einem ruhigen sachlichen Gespräch, in dem den Eltern der Unterschied zwischen dem „wunden Po“ und der Windeldermatitis erklärt wird. Dabei kann auch betont werden, dass eine Windeldermatitis schnell zu einer Infektion führen und dass diese für das Kind unter Umständen sehr schmerzhaft sein kann. Zusätzlich kann man die Eltern auch mit zusätzlichem Infomaterial, wie diesem Interview ausstatten. Manchmal hilft eine schriftliche Übersicht besser als mündliche Ratschläge.

Das Interview führte Silke Schröckert. Wir bedanken uns herzlich bei Dr. med. Alice Martin!


dr-alice-martinDr. med. Alice Martin ist Hautärztin in Weiterbildung und Mitgründerin der Online–Hautarztpraxis dermanostic. Sie setzt sich für gesundheitliche Aufklärung und medizinische Weiterbildung ein.

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