Großeltern gesucht: So werden Sie Babyschwimmlehrer/in!

Wer hat Lust mit mir zu schwimmen? Foto: shutterstuck.com/YanLev
Als Oma oder Opa noch einmal mit einer ganz neuen Aufgabe durchstarten? Kein verrückter Gedanke, sondern eine richtig gute Idee, findet Sue Legahn von der Schwimmschule Delphin in Hamburg. In ihrer Akademie für Aquapädagogik werden Großeltern zu Babyschwimmlehrer/innen ausgebildet. Wie das funktioniert und warum das Schwimmen mit dem Enkelkind eine so wichtige und wertvolle Aktivität ist, erklärt Sue Legahn im Interview mit Enkelkind.de.

Die Eltern in den Schwimmkursen hören älteren Kursleitern viel ernsthafter zu.


Enkelkind.de: Frau Legahn, bei Ihnen können Großeltern nicht nur Kursteilnehmer sein, sondern auch zum Kursleiter werden: Sie bilden Schwimmtrainer fürs Babyschwimmen aus. Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Schwimmtrainer oder Schwimmtrainerin für einen solchen Kurs zu werden?
Sue Legahn: In vielen Bereichen des Lebens spielt die Lebenserfahrung eine große Rolle. Großeltern, die in dieser Rolle etwas Übung haben, sind oft ruhiger, sicherer und trauen dem Nachwuchs mehr zu. Das gilt natürlich nicht nur für die eigenen Enkelkinder, sondern allgemein. Außerdem sind viele Rentner heutzutage tatsächlich im sogenannten besten Alter, also keineswegs gebrechlich. Um Kursleiter zu sein benötigt man natürlich Liebe zum Wasser, zu Menschen, besonders kleinen, und Lernbereitschaft. Das Lernen ist gar nicht so schwierig, wenn man bedenkt, dass Großeltern ja schon eine volle und eine angefangene Generation Erfahrung mitbringen. Hinzu kommt, dass die anwesenden Eltern einer „älteren“ Person viel eher ernsthaft zuhören als einem Kursleiter/in, der/die womöglich sogar jünger ist als sie selber. Wir stellen das immer wieder fest und es ist fast lustig, wie ein blutjunger Kursleiter den Eltern etwas völlig Richtiges und Schlüssiges mitteilt und keiner hört zu oder setzt es um. Kommt dann mein Mann, Uwe Legahn (Jahrgang 1947) und sagt wörtlich Dasselbe, springen alle!

Enkelkind.de: Wie genau sieht die Ausbildung aus?

Sue Legahn: Die theoretische Ausbildung dauert zwei Wochenenden. Dazu kommen eine ganze Reihe Hospitationen. Deren Dauer ist abhängig von Vorerfahrung zum Beispiel mit eigenen Kindern/Enkelkindern im Kurs oder berufliche Erfahrungen in verwandten Bereichen. Mindestens sind es 30 Stunden sowie einige Stunden Assistenz im Wasser bei erfahrenen Kursleitern. Das hört sich recht aufwändig an und ist in der Tat zunächst recht zeitintensiv es sei denn, man verbindet die Hospitationen mit Schwimmzeiten mit dem eigenen Enkelkind!

Enkelkind.de: Das heißt, man kann zu der Ausbildung sein Enkelkind mitbringen?

Der theoretische Teil der Ausbildung findet natürlich ohne Babys oder Kinder statt. Im praktischen Teil aber ist man in der Tat entweder mit eigenen Kleinen im Wasser oder im Kurs mit anderen Erwachsenen und Kindern.

Auf dem Weg zur Kursleiter-Lizenz darf das eigene Enkelkind bei den Hospitationen dabei sein. Foto: shutterstock.com/natkom

Enkelkind.de: Und wenn die Großeltern fertig ausgebildete Babyschwimmtrainer sind: Wie häufig müssen oder dürfen sie einen Kurs leiten? 

Sue Legahn: Das hängt ganz von den eigenen zeitlichen Möglichkeiten und der Lust ab. Nach unseren Erfahrungen ist ein praktischer Einsatz von mehr als drei Stunden am Stück körperlich und auch von der Aufmerksamkeit her das Maximum. Die meisten Kursleiter machen das Ganze auf Minijob-Basis, sodass es sich auf 6-7 Stunden in der Woche beschränkt.

Enkelkind.de: Wird diese Tätigkeit vergütet?

Sue Legahn: Selbstverständlich! Jedenfalls wenn man bei gewerblichen Anbietern arbeiten möchte und nicht zum Beispiel ehrenamtlich im Verein.

Enkelkind.de: Bin ich als Babyschwimmtrainer/in versichert?
Sue Legahn: In dem Moment, wo ein ordentliches Arbeitsverhältnis zustande kommt (also zum Beispiel ein Minijob), ist der Kursleiter selbstverständlich voll abgesichert.

Enkelkind.de: Und dürfen Kursleiter nach der abgeschlossenen Ausbildung auch ihr eigenes Enkelkind mit in den Schwimmkurs bringen, den sie leiten?

Sue Legahn: Aus gutem Grunde: nein. Selbst ein geübter Lehrer oder eine geübte Lehrerin schafft es nicht, gleichzeitig Opa/Oma und Lehrer/in zu sein. Das sind verschiedene Rollen, die zu vermischen große Unsicherheit bei den Kindern erzeugt. Kinder verstehen auch nicht, warum die eigene Vertrauensperson auf einmal von anderen in Beschlag genommen wird.


Was liegt näher, als mit dem eigenen Enkelkind zum Babyschwimmen zu gehen?


Enkelkind.de: Unabhängig von der Ausbildung zum/zur Babyschwimmlehrer/in: Sie ermutigen Großeltern ganz bewusst, mit den Enkelkindern zum Schwimmen zu gehen. Warum ist das so wichtig? Die meisten Eltern gehen doch mit ihren Kindern zum Babyschwimmen und später irgendwann auch in einen Schwimmkurs. Wieso sollten die Großeltern da noch mitmischen?

Sue Legahn: Leider finden viele Eltern gar nicht mehr die Zeit. Die Mütter fangen früh wieder an zu arbeiten, die Kinder sind in Betreuung und das nicht selten bei den Großeltern. Was liegt also näher, als die Zeit mit den Enkelkindern sinnvoll zu füllen und zum Beispiel zum Babyschwimmen zu gehen? Dabei ist es für alle Beteiligten viel schöner, in einen festen Kurs zu gehen, wo man sich schnell kennt, wo die Umgebung warm, geschützt und kindgerecht ist als alleine in ein öffentliches Schwimmbad. In festen Kursen wird außer den motorischen und kognitiven Elementen auch die soziale Komponente sehr gefördert

Enkelkind.de: Vielen Dank für das Interview!

Die Ausbildung zum/zur Babyschwimmtrainer/in findet überwiegend in Hamburg, gelegentlich auch in Süddeutschland statt (in Süddeutschland nicht zum Baby-, sondern zum Kinderschwimmen). Teilnehmer aus ganz Deutschland, teilweise Europa reisen dafür an. Sie interessieren sich für die Ausbildung? Telefonnummern und Email-Adressen für die Kontaktaufnahme zu Sue Legahn finden Sie direkt oben auf der Website der Schwimmschule Delphin.


Ich habe viel aus der Erziehung mit den eigenen Kindern gelernt und kann die Enkelkinder jetzt davon profitieren lassen.


Unsere Interview-Partnerin Sue Legahn berichtet über ihre eigenen Erfahrungen mit den Enkelkindern:

„Ich bin 63 Jahre alt und wir haben 3 Kinder und 4 Enkelkinder (12, 7,6 und 5 Jahre). Seit 1977 betreiben wir eine private Schwimmschule. Mein Part ist die Verwaltung und der praktische Bereich AquaFitness. Mein Mann, Uwe Legahn, ist der Begründer der AquaPädagogik und anerkannter Spezialist für das Anfangsschwimmen ab 3 Jahre. Selbstverständlich sind unsere eigenen Kinder und Enkelkinder mit Abtrocknung der Nabelschnur im Wasser gewesen: zunächst in der Badewanne, mit wenigen Wochen aber auch im Schwimmbad. Ganz ehrlich: Ich war als junge Mutter insgesamt ziemlich ausgebucht und derartige Beschäftigungen für die Kinder haben nicht den Raum bekommen, den sie verdienten. Mit den Enkelkindern habe ich diesbezüglich viel mehr Zeit verbracht. Ich habe viel aus der Erziehung (und den Fehlern) mit den eigenen Kindern gelernt und kann die Enkelkinder jetzt davon profitieren lassen. Wenn ich die Unsicherheit, Anspannung, Zeitdruck, hohen Erwartungen der jungen Eltern beobachte, genieße ich die Gelassenheit und Sicherheit, die Alter und Erfahrung mit sich bringen, sehr. Ich habe durchaus den Wunsch, junge Eltern davon profitieren zu lassen … weiß aber aus eigener Jugend, dass man seine Fehler und Unzulänglichkeiten selber machen und erkennen muss.“

Geschrieben von
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