Taschengeld fürs Enkelkind: Wieviel ist okay?

Oma-Taschengeld
Hier ein Euro, da ein Scheinchen: Welche Geldgeschenke von Oma und Opa sind angemessen? Foto: shutterstock.com/wavebreakmedia

Ob Geburtstag, Einschulung oder „einfach so zwischendurch“: Manchmal möchte man seinem Enkelkind eine Freude bereiten mit einem Geldbetrag, über den es frei verfügen kann. Aber welche Summe ist zu welchem Anlass angemessen? Und muss ich mich immer mit den Eltern des Enkelkindes abstimmen? Wir haben den Schulpädagogen und Finanzexperten Stefan Ostermaier befragt. Seine wichtigste Botschaft: Pauschale Tabellen mit einfachen Summenangaben kann es für Großeltern nicht geben. Viel wesentlicher ist eine sinnvolle Absprache mit den Eltern des Kindes.


Eltern und Großeltern legen gemeinsam das Maß fest.


Wieviel Geld darf ich meinem Enkelkind schenken?

Enkelkind.de: Für das regelmäßige Taschengeld gibt es Tabellen, nach denen die Eltern sich grob richten können. Woran aber können Großeltern sich orientieren, wenn sie ihren Enkelkindern hin und wieder – oder vielleicht sogar regelmäßig – einen Obolus zustecken möchten?

Stefan Ostermaier: Eines haben alle Angehörige gemein: Sie wollen das Beste für ihr Kind oder Enkelkind. Aus diesem Grund sollten sich Eltern und Großeltern absprechen, wie viel Taschengeld jeweils vergeben wird. Gemeinsam legen sie ein gutes Maß fest und vermeiden gleichzeitig Konkurrenz.

Ihrer Empfehlung nach: Dürfen Großeltern unabhängig vom Taschengeld der Eltern Geldgeschenke an ihre Enkelkinder machen? Oder sollten die Summen immer aufeinander abgestimmt sein?

Hier gilt, wie bei der ersten Frage, dass Eltern und Großeltern sich austauschen und über die Höhe von Geldgeschenken gemeinsam befinden. So vermeiden die Angehörigen Unstimmigkeiten und schaffen Klarheit.


Die Geste des Schenkens ist wichtiger als der Wert eines Geschenks.


Geburtstag, Weihnachten, Einschulung: Es gibt viele Anlässe, zu denen Großeltern ihren Enkelkindern eine Freude bereiten möchten. Welche Bargeldsummen für Geldgeschenke sind hier in welchem Alter angebracht?

Beschenken ist zunächst eine Frage der persönlichen Verhältnisse und des Leistbaren. Insofern leiten pauschale Angaben fehl. Eine wichtige Rolle spielt in jedem Fall die Art und Weise des Schenkens – dem bewusstem, gewissenhaften Überreichen kommt eine viel höhere Bedeutung zu als dem schieren Betrag. Eine hingebungsvoll verfasste Karte mit persönlichen Bezügen etwa regt zum Schmunzeln, freudigen Lachen oder gerührten Weinen an. Bei reinen Geldgeschenken gilt das Prinzip der Abstimmung unter den Beteiligten.

„Zu viel Geld geschenkt“ – gibt es das überhaupt? Welche negativen Folgen können zu hohe Geldgeschenke für Kinder haben?

Viele Geschenke nach dem Motto „Masse statt Klasse“ wecken in dem Beschenkten das Gefühl, eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Meine zwei Söhne haben in der 8. Klasse als schulische Jahresarbeit einen Pizzaofen im Garten gebaut. Der Nachbarsjunge meinte daraufhin, es gäbe sicherlich ein gute Note. Meine Söhne entgegneten, die Jahresarbeit würde nicht benotet, woraufhin der Nachbarsjung völlig entgeistert fragte: Und warum habt ihr das dann gebaut?


Ein einzelnes, wohlüberlegtes Präsent bereitet mehr Freude als ein Dutzend unpassende Dinge.


Der Gedanke ‚Belohnung folgt auf Leistung‘ lässt sich auch auf Geschenke übertragen: Geschenke verkommen in dieser Form zu einem Austausch von Waren. Sie verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung als liebevolle Geste, die dem anderen zeigt „Ich habe an dich gedacht“. Dabei ist die Geste des Schenkens viel wichtiger als der Wert eines Geschenks. Ein einzelnes, wohlüberlegtes Präsent bereitet unter Umständen deutlich mehr Freude als ein Dutzend Dinge, die nicht zum Beschenkten passen und nur mehr Mittel zum Zweck sind.

Und der umgekehrte Fall: Was ist, wenn ich es mir als Oma gar nicht finanziell leisten kann, die materiellen Wünsche meiner Enkelkinder zu erfüllen? Wie erkläre ich das den Kindern und Eltern?

Vermögensunterschiede und der Anspruch, „die anderen“ zu übertrumpfen, erzeugen beim Schenken Unmut und Konkurrenzdenken. Das stellt eine Zerreißprobe für die Familienbande dar, in deren Mitte das schuldfreie Kind steht. Wie zuvor erwähnt, gilt, dass die Geschenke der Familienangehörigen dem Betrag nach – zumindest grob – aufeinander abgestimmt werden sollten. Bei materiellen Geschenken empfehle ich: Auch wenige und kleinere Geschenke bereiten viel Freude, wenn beherzt nach persönlichen Geschenken gefahndet wird.


ISM-StefanOstermaier
Stefan Ostermaier ist Gründer der innovativen Schulen München gGmbH

Unser Experte

Stefan Ostermaier kennt sich aus mit Geld – und das nicht nur, wenn es um die Frage nach mehr Taschengeld geht: Der Vater dreier Kinder war lange Zeit im Finanzsektor tätig. Von 2012 bis 2014 übernahm er die Projektleitung eines Raumkonzeptes für eine Schwabinger Schule. Nach dieser Erfahrung wuchs in ihm der Wunsch, seine eigene Schule zu gründen. Das tat er dann auch: In den Jahren 2014 bis 2018 rief er eine private und staatlich anerkannte Realschule in München ins Leben. Heute ist Stefan Ostermaier Gründer, Geschäftsführer und „Geist“ der innovativen Schulen München gGmbH.

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