Hat mein Enkelkind Neurodermitis?

Woran erkenne ich, ob mein Enkelkind nur trockene Haut oder eine Neurodermitis hat?

Trockene Schüppchen, rote Haut, kratzende Kinderhändchen: Wenn das Kind leidet, leiden Eltern und Großeltern mit. Manche Beschwerden sind normal und verschwinden nahezu von alleine. Doch bei 20 Prozent der Kinder unter 3 Jahren lautet die Diagnose Neurodermitis. Dr. Simone Presto, Ärztin und Eucerin Expertin, erläutert im Interview, woran man den Unterschied zwischen trockener Haut und Neurodermitis erkennt. Und sie erklärt, welche enorm wichtige Rolle den Großeltern zukommt, wenn ein Kind an Neurodermitis erkrankt.


Lassen sie nicht die Krankheit in den Mittelpunkt des Familienlebens treten, sondern das Kind.


Enkelkind.de: Woran erkenne ich den Unterschied zwischen „normaler“ trockener Haut und Neurodermitis?

Dr. Simone Presto: Wichtige Hinweise liefert das betroffene Körperareal: Eine Neurodermitis betrifft bei kleinen Kindern vor allem der Kopf („Milchschorf“) und das Gesicht sowie die Streckseiten der Gliedmaßen, zum Beispiel die Außenseite des Arms, und Beugefalten. Trockene Haut, zum Beispiel durch zu intensives Baden, tritt meist am ganzen Körper auf. Rötungen durch äußere Einwirkung (zum Beispiel durch Krabbeln auf rauem Untergrund) ist dagegen nur an den Kontaktstellen zu finden, zum Beispiel am Knie.

Enkelkind.de: Was ist das wichtigste Symptom für Neurodermitis?

Dr. Simone Presto stand der Enkelkind.de-Redaktion Rede und Antwort

Dr. Simone Presto: Der Juckreiz! Vom Spielen aufgescheuerte Haut juckt in der Regel nicht. Gerötete, entzündete Haut bei einer Neurodermitis sorgt dagegen für einen intensiven Juckreiz, der die kleinen Kinder sehr beeinträchtigt. Er kann zum Weinen, zur Wehleidigkeit und auch zur Schlafstörung führen. Zudem kann das betroffene Hautareal nässen, obwohl die Haut an sich sehr trocken ist.

Enkelkind.de: Mütter haben manchmal Sorge, sich beim Kinderarzt „lächerlich“ zu machen, weil sie mit einer Lappalie vorstellig geworden sind. Bei welchen Anzeichen würden Sie empfehlen, die Haut eines Kindes ärztlich abchecken und auf Neurodermitis prüfen zu lassen?

Dr. Simone Presto: Zuallererst: Sie machen sich nicht lächerlich, wenn Sie frühzeitig um Rat fragen – ganz im Gegenteil. Die Neurodermitis kann nicht nur den kleinen Patienten sehr beeinträchtigen, sondern das Leben einer ganzen Familie. Wird frühzeitig mit der richtigen Hautpflege beziehungsweise Therapie begonnen, kann die Schwere der Erkrankung durchaus beeinflusst werden. Die Neurodermitis ist eine vererbbare Hauterkrankung. Eltern sollten aufmerksam werden, wenn das Kind Milchschorf entwickelt beziehungsweise sich trockene, gerötete Hautareale im Gesicht, auf den Streckseiten der Gliedmaßen (zum Beispiel an der Außenseite des Arms) oder in den Beugefalten entwickeln. Manchmal kann der Juckreiz sogar schon auftreten, bevor die Haut offensichtlich erkrankt ist. Auch dann kann es schon sinnvoll sein den Kinderarzt aufzusuchen.

Enkelkind.de: Kann der Kinderarzt umgehend feststellen, ob eine Neurodermitis vorliegt? Oder sind weitere Tests notwendig?

Dr. Simone Presto: Die Neurodermitis ist eine Erkrankung, die der Kinderarzt ohne weitere Tests feststellen kann. Es gibt typische Symptome, die den Verdacht einer Neurodermitis naheliegen: Ekzem (gereizte, gerötete Haut, eventuell bereist nässend), trockene Haut, Juckreiz. Zudem kann die Familienanamnese wichtige Informationen liefern. Liegt bereits eine familiäre Häufung der Neurodermitis vor, so muss bei Vorliegen der genannten Symptome von einer Neurodermitis ausgegangen werden.


Lieber einmal zu früh den Kinderarzt aufsuchen als zu lange warten!


Enkelkind.de: Gibt es eine Art „Selbsttest“ für Zuhause, die ohne ärztliche Untersuchung Gewissheit bringt?

Dr. Simone Presto: „Glücklicherweise“ gibt es keinen Selbsttest! Es ist viel sinnvoller und für den Krankheitsverlauf entscheidender, rechtzeitig kompetenten Rat und Hilfe von Fachleuten einzuholen. Lieber einmal zu früh den Kinderarzt aufsuchen als zu lange warten!

Enkelkind.de: Und wenn der Arzt eine Neurodermitis diagnostiziert: Was würden Sie Kind und (Groß-)Eltern mit auf den Weg geben wollen?

Dr. Simone Presto: Wird die Diagnose Neurodermitis gestellt, so bedeutet das nach dem ersten Schreck für die meisten Eltern eine gewisse Sicherheit. Jetzt wissen sie, was mit ihrem Kind los ist und welche Therapiemöglichkeiten es gibt. Die Ungewissheit ist oft zermürbender als die eigentlich Diagnose. Wir verfügen in Deutschland über gut ausgebildetes Fachpersonal, das sich intensiv dem Thema Neurodermitis widmet. Nach der Diagnose-Stellung kann der Kinderarzt eine wirksame Therapie verordnen. Und bitte keine „Cortison-Angst“ haben. Die modernen Kortikosteroide sind sehr wirksam und gut verträglich. Durch eine intelligente Dosierung kann dem betroffenen Kind schnell geholfen werden und langfristige Nebenwirkungen sind nicht zu erwarten. Eine individuelle Pflegeberatung gibt zudem hilfreiche Informationen rund um die Reinigung und Pflege des Kindes, denn dieses kann die arzneiliche Therapie sinnvoll unterstützen und helfen, den Einsatz notwendiger Arzneimittel zu reduzieren.


Den Großeltern kommt eine enorm wichtige Rolle zu.


Enkelkind.de: Ist Neurodermitis heilbar?

Dr. Simone Presto: Die Erkrankung ist zwar nicht heilbar, die Symptome schwächen sich aber bereits im Kindesalter ab. Bei Erwachsenen sind meistens nur noch leicht verdickte Hautareale zu erkennen. Allerdings sollte die Familie sich nicht nur mit dem Thema Neurodermitis beschäftigen, sondern auch Raum für positive Erlebnisse lassen. Hier kommt den Großeltern eine enorm wichtige Rolle zu. Konnten die Eltern wieder einmal nachts nicht durchschlafen, da das Kind unter starkem Juckreiz gelitten hat, so können die Großeltern am nächsten Tag die Betreuung des Kindes übernehmen und damit den Eltern Zeit „zum Luft holen“ verschaffen. Gemeinsame Unternehmungen können auch helfen, das Kind abzulenken, so dass der Teufelskreis aus „erkrankter Haut – Juckreiz – Kratzen – fördert die erkrankte Haut“ nicht nur durch die arzneiliche Therapie und die Hautpflege, sondern auch durch einen positiven Einfluss auf die Psyche durchbrochen wird. Lassen sie nicht die Krankheit in den Mittelpunkt des Familienlebens treten, sondern das Kind (und die Geschwister!).

Das Interview führte Silke Schröckert. Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Simone Presto!


Mit dem Kuschel-Äffchen Anton hilft Eucerin allen Kindern und Eltern, mit Neurodermitis besser umzugehen und Juckreiz spürbar zu beruhigen. Unter www.eucerin.de/anton können Eltern und Kindern sich auf eine leichte, unterhaltsame Weise informieren: Der Affe Anton erklärt in kindgerechten Videos, was kleine Patienten über Neurodermitis wissen sollten.

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