Opa macht das schon!

Zwei Männer unterwegs: Opa Heiner mit seinem Enkel Tom

Oma und Opa sind in vielen Familien die beliebtesten Babysitter. Eine Rolle, in die man erst einmal hineinwachsen muss? Oder ist es eine Selbstverständlichkeit, auf die Enkel aufzupassen? In dieser Rubrik erzählen echte Großeltern regelmäßig von ihren ganz persönlichen Erfahrungen rund ums Thema Enkelkinder. Dieses Mal berichtet Opa Heiner von seinem ersten Mal als Babysitter.


Mir kannst du ihn geben! Das kriegen wir zwei Männer wunderbar hin.


Heiner Bäck wurde 2014 mit 64 Jahren zum ersten Mal Großvater. Mittlerweile hat er von seinen zwei Töchtern drei Enkelkinder: Tom, Mina und Ida. Schon mit 2 Jahren hat der Älteste, Tom, wie selbstverständlich ganze Wochenenden bei Heiner und seiner Frau Corinna verbracht. Doch bei seinen allerersten Babysitter-Einsätzen war Opa Heiner ganz alleine: Tom war 4 Monate alt, als seine Mutter auf eine Beerdigung musste. Eine Seebestattung ohne Kinder – und ohne Handy-Empfang.

Enkelkind.de: Als du das erste Mal auf Tom aufgepasst hast, war die Mutter telefonisch nicht erreichbar. Hat das für dich etwas an der Situation verändert?

Heiner: Ganz klar: Nein. Auch wenn sie Handy-Empfang gehabt hätte: Ich würde die Mutter, die in dem Fall nichts tun kann, mit jedem Anruf und jeder Nachricht nur beunruhigen. Warum sollte ich das tun? Das ist meine Tochter! Sie hat mir den Jungen gegeben. Und ich kümmere mich um ihn.

Was passiert da? Opa erklärt alles geduldig

Du hast deine ersten beiden Enkelkinder jeweils recht früh zum ersten Mal alleine betreut. Dein Enkelsohn war 12 Wochen alt, deine Enkeltochter gerade einmal 12 Tage. Gibt es aus deiner Sicht ein „zu früh“ (oder vielleicht sogar ein „zu spät“) für den ersten Babysitter-Einsatz durch Oma oder Opa?

Den „perfekten“ Zeitpunkt gibt es nicht. Es kommt, wie es kommt. Natürlich muss die Frage des Fütterns geklärt sein. Braucht das Kind die Mutter zur Nahrungsaufnahme? Oder löse ich das als junger Opa nach Anweisung durch die Mutter selbst? So ein Glas auf- und warmmachen und einen Jungen füttern, das bekommst du schnell hin. Brust geben dagegen ist für Opas nicht drin. Also, Mama, sei pünktlich zur Fütterungszeit zurück!

Das allererste Mal ganz allein mit dem Enkelkind. Ist das eine große Sache oder selbstverständlich?

Was hab ich meiner Tochter, der Mutter meines Enkels gesagt: Mir kannst du ihn geben! Ich freu mich. Das kriegen wir zwei Männer wunderbar hin. Und genauso kam es. Aber eins ist auch klar: In der Zeit, wo der Jung hier ist, nur wir zwei, macht man nichts anderes: Der Jung steht an 1. Stelle.

Hast du einen Babysitter-Geheimtipp für andere Großeltern?

Für die Enkelkinder im Einsatz: Opa Heiner baut ein Trampolin auf

Klar. Ich habe einen lachenden Plüsch-Elch (gehört meiner Frau), der gut ankommt. Phänomenal bei der Kleinen hilft natürlich das Hin- und Herwiegen auf dem Arm, dabei muss man aber auch noch auf- und ablaufen. Bei dem Großen ist es mittlerweile soweit: Schreit er, frag ich ihn, warum er schreit. Hat er einen Grund, versuchen wir das Problem gemeinsam zu lösen. Hat er keinen Grund, sage ich ihm: „Komm gern rüber, wenn du dich beruhigt hast oder ich dir helfen kann.“ Das Problem gibt es in der Regel zwei Minuten später nicht mehr.

Erzählt man nach dem Babysitten alles, was passiert ist? Oder haben dein Enkelsohn und du auch das ein oder andere Geheimnis?

Ich denke, 90 bis 98 % gibt man weiter an die Eltern. Das ist ein sehr guter Prozentsatz.

Kamen bei dir Erinnerungen ans „Papa-Sein“ auf? Als Vater war es sicher selbstverständlich, hin und wieder allein mit Kind(ern) zu sein.

Meine Zeit mit den eigenen Kindern war durch den Job auf Abende, Sonntage und Urlaub eingenordet. Aber dafür dann intensiv. Als meine Frau ihre Mutter für mehrere Tage besuchte und ich uns Drei bespaßen musste, habe ich schon mal lauthals beide Mädels um Mithilfe gebeten. Das klappte dann suboptimal. Beide eigenen Kinder auf dem Arm zu halten sah so aus, dass ich die Große auf den Schultern getragen habe und die Kleine gleichzeitig auf dem Arm. Das sind Erinnerungen, die vergisst du nie.

Mit dem Enkel an Meer. Was will man mehr?

Ist es etwas anderes, ob man das eigene Kind oder ein Enkelkind in den Armen hält?

Den richtigen Unterschied jetzt festzustellen zwischen „eigene Kinder auf dem Arm“ und „Enkelkinder auf dem Arm“, das ist unwahrscheinlich schwierig. Du hast zwei erwachsene Töchter, die sind Mütter und Ehepartner ihrer eigenen Familien und Gesprächspartner für dich – und doch irgendwie deine Kinder, aber eben erwachsen. Und dann hast du da so einen klasse Kerl von drei Jahren, der mit Opa allein alles anstellt und ein Wickelmädel von ein paar Monaten, das dich mit riesigen Augen anschaut und mit der ganzen Hand deinen Zeigefinger umklammert. Da bist du ein gaaaaanz, gaaaaanz glücklicher Opa. Und zu 100% warst du, als die eigenen Mädels in dem Alter waren, ein genauso glücklicher Vater.


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