Großeltern sind in vielen Familien ein unverzichtbarer Teil des Alltags. Sie springen ein, wenn die Kita geschlossen ist, holen Enkelkinder auch spontan von der Schule ab oder betreuen regelmäßig an festen Tagen. Für die Eltern ist das eine enorme Entlastung – aber wie wirkt sich diese Form der Betreuung auf die Kinder aus?
Eine aktuelle Studie hat genau das untersucht: Was bedeutet regelmäßige Betreuung durch Großeltern für das Wohlbefinden von Eltern – und für die Gesundheit von Kindern?
Wie stark Großeltern die Eltern in Deutschland in der Enkel-Betreuung unterstützen, erfahren Sie hier.
Das Ergebnis ist differenziert. Und gerade deshalb spannend.
Großelternbetreuung: Ein Gewinn für Eltern
Eins steht fest: Eltern profitieren deutlich von der Unterstützung durch Oma und Opa.
Die Studie zeigt, dass Mütter und Väter, deren Kinder regelmäßig von Großeltern betreut werden, zufriedener mit der Kinderbetreuung insgesamt sind, mehr Zeit für sich empfinden und ihre Vereinbarkeit von Familie und Beruf positiver bewerten.

Besonders für Mütter ist dieser Effekt stark. Großelternbetreuung ermöglicht häufig, Arbeitszeiten beizubehalten oder überhaupt erst wieder in den Beruf einzusteigen. Auch emotionale Entlastung spielt eine Rolle: Das Wissen, dass das eigene Kind nicht „irgendwo“, sondern bei vertrauten Menschen gut aufgehoben ist, reduziert Stress.
Kurz gesagt: Großeltern sind ein wichtiger organisatorischer und emotionaler Anker im Familienleben.
Und die Kinder? Ein genauerer Blick lohnt sich
Weniger eindeutig sind die Ergebnisse mit Blick auf die Kinder selbst.
Die Studie findet Hinweise darauf, dass Kinder, die überwiegend von Großeltern betreut werden, im Durchschnitt leicht schlechtere Gesundheitswerte aufweisen als Kinder in formaler Betreuung (zum Beispiel Kita oder Hort). Dieser Effekt zeigt sich vor allem bei Kindern im Grundschulalter, insbesondere bei Jungen.
Wichtig ist dabei: Es handelt sich nicht um dramatische Unterschiede und nicht um individuelle Aussagen über einzelne Großeltern Die Studie fällt kein Urteil über Großeltern – sie vergleicht lediglich Betreuungsformen und deren statistische Effekte.
Woran könnte das liegen?
Die Studie beschreibt statistische Zusammenhänge, nicht den konkreten Alltag von Familien. Mögliche Erklärungen lassen sich daher nur vorsichtig diskutieren.
Unsere Vermutungen: In formalen Betreuungseinrichtungen wie einer Kita, der Nachmittagsbetreuung in der Schule oder dem Hort gibt es – im Vergleich zur Betreuung durch die Großeltern – vielleicht mehr Bewegung und gezieltere Spiel- und Lernangebote. Auch Unterschiede in der Ernährung könnten sich langfristig gesundheitlich auswirken.

Denn klar ist: Großelternbetreuung folgt anderen Logiken als institutionelle Angebote – sie ist individuell, liebevoll und flexibel, aber nicht an formale Standards gebunden.
Das heißt: Nicht die Nähe oder Fürsorge der Großeltern ist das Problem, sondern die Rahmenbedingungen.
Oder ist es vielleicht anders herum?
Eine wichtige Frage, die wir bei Enkelkind.de uns zudem stellen: Werden viele Kinder nicht gerade deshalb von ihren Großeltern betreut, weil sie gesundheitliche Probleme haben?
Kranke Kinder können nicht in die Schule geschickt werden, aber Oma und Opa springen oft flexibel ein – auch und gerade weil das Kind zu krank für die Betreuung in der Einrichtung ist. Wir vermuten: Es ist möglich, dass solche Effekte teilweise die beobachteten Zusammenhänge erklären.
Was bedeutet das für Familien?
Die Studie liefert keine Empfehlungen darüber, welche Betreuungsform „besser“ ist. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass neben der elterlichen Betreuung und der Kindertagesstätte auch die regelmäßige Kinderbetreuung durch Großeltern Auswirkungen auf Eltern, Kinder und die Familie als Ganzes hat.

Um die Auswirkungen jedoch vollständig zu verstehen, wären neben dieser Analyse noch detailliertere Untersuchungen erforderlich – zum Beispiel Daten darüber, welche Aktivitäten Großeltern mit ihren Enkelkindern unternehmen.
Denn Aspekte wie Tagesstruktur, Bewegung oder Lernangebote werden in der Studie nicht gemessen.
Fazit: Ein Plädoyer für mehr Wertschätzung
Großeltern leisten täglich wertvolle Arbeit für Familien. Die Studie zeigt, dass diese Unterstützung für Eltern spürbar entlastend ist. Bei Kindern gibt es statistische Zusammenhänge, deren Ursachen noch nicht abschließend geklärt sind.
Wichtig ist aber auch: Die Entlastung der Eltern, vor allem der Mutter, könnte langfristige Vorteile für die Entwicklung des Kindes haben, da sich das Wohlbefinden der Mutter positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirken kann. Diese langfristigen Auswirkungen wurden in der Studie noch nicht untersucht.

Die Autorinnen und Autoren der Studie werfen schließlich die Frage auf, ob angesichts der positiven Auswirkungen der Großelternbetreuung auf das Wohlbefinden der Eltern nicht über die Einführung von Versicherungsgutschriften für Großeltern diskutiert werden könnte, wenn diese unterhaltsberechtigte Kinder betreuen, was zu ihrem Ruhestandseinkommen beitragen würde – in England gibt es eine ähnliche Regelung bereits.
Darüber hinaus, heißt es in der Studie, könnte die Einführung von „Großelternurlaub“, wie in Schweden, eine Maßnahme zur Unterstützung der Betreuung durch Großeltern sein.
Hier erfahren Sie mehr über die „Elternzeit für Oma und Opa“, die in Schweden bereits Realität ist.
Und was die negativen Auswirkungen der Großelternbetreuung auf die Gesundheit einiger Kinder betrifft: Hier könnten laut den Autorinnen und Autoren die Ergebnisse der Studie auch darauf hindeuten, dass einfach zu viele verschiedene Betreuungsformen an einem Tag negative Auswirkungen haben könnten.
Die Idee der Forschenden: Die Politik könnte Maßnahmen in Betracht ziehen wie längere Betreuungszeiten oder kürzere Arbeitstage, damit berufstätige Eltern seltener mit der Herausforderung konfrontiert sind, dass die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten einfach nicht mit ihren Arbeitszeiten übereinstimmen.
Wir denken: Solche Maßnahmen können ganz bestimmt den Familienalltag entstressen – und davon könnten letztlich alle Generationen profitieren.
Den Link zu den Studienergebnissen (auf Englisch) finden Sie hier: The Generational Gift: The Effects of Grandparental Care on the Next Generations‘ Health and Well‐Being
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