Opa und ich: Erinnerungen an damals

Heiners Opa Heinrich zusammen mit seiner Frau Anna. Dieses Foto wurde anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit in der Lokalzeitung veröffentlicht

Alle unter einem Dach? Das war einmal. Heute leben nur noch 1% der Familien in Haushalten mit drei (oder mehr) Generationen. Früher sah das anders aus: Unser Gastautor Heiner ist 71 Jahre alt und Opa von drei Enkelkindern. Für Enkelkind.de erinnert er sich an den Generationenhaushalt mit seinem eigenen Großvater und an das gemeinsame Leben.


Für uns Jungs war Opa der Liebling. Danke, Opa.


Mein Opa war immer da. Er saß auf seinem festen Platz direkt neben dem Küchenschrank an der kurzen Seite der Eckbank. Klaus, mein Bruder, und ich hatten die lange Seite der Eckbank.

Mein Opa trug immer schwarz: schwarze Hose, schwarze Weste, schwarze Jacke, dazu ein weißes Hemd. Und für uns Jungs war er der Liebling: Von seiner gewiss schmalen Rente, die er immer in einem Briefumschlag abholte, gab er Klaus und mir je einen Heiermann, also fünf Deutsche Mark. Ein Vermögen!


Den Schlitten auf den Deich tragen: Das ist Opa-Sache.


Im Winter überraschten die Eltern uns mit einem Schlitten. Opa holte seine Winterstiefel, seinen Joppen*, seinen Elbsegler** und seine gestrickten Handschuhe und ging mit uns rodeln. Rodeln hieß: direkt vor der Haustür! Den Schlitten den Deich hochtragen und auf der anderen Seite mit einem für Kinderverhältnisse langen Auslauf wieder runter. Schlitten zurück auf den Deich tragen: Das ist Opa-Sache. Und natürlich fuhren wir Doppelsitzer: Opa hinten, Klaus oder ich vorn.

Stürze waren eingeplant bei den Alleinfahrten, Schnee überall an den überwiegend wollenen Kleidungsstücken war die Folge. Und natürlich hatten wir kalte Finger, da die selbstgestrickten Handschuhe völlig durchnässt waren. Schnell den kurzen Weg nach Hause und aufwärmen. Nur, die Mama ließ uns nicht rein: „Zieht euch mal draußen vor der Tür aus, mit dem vielen Schnee kommt ihr nicht ins Haus!“

Prima, dass wir Opa hatten. Er hat alles geregelt und dann wurde sich am Ofen in der Küche aufgewärmt. Danke, Opa.    


Opa wurde älter. Dann auch richtig alt.


Im Sommer durfte ich mit, wenn Opa und sein Nachbar auf die Schafe aufpassten. Richtige Gräben gab es zwischen den Weiden, ab und zu führte ein Holzsteg zur Nachbarweide. Natürlich bist du als Junge neugierig und draufgängerisch und egal wie schmal der Steg ohne Geländer ist: Da musst du rüber.

Gesagt, getan. Und plumps, weg war ich, gleich unter Wasser! Opa hat es als Erster gesehen, stand zu weit weg vom Unglück, rief seinem am Steg stehenden Nachbarn zu und dieser griff ins Wasser, packte mich an der Schulter und zog mich aus dem Wasser. Was für eine Dramatik, zumindest für mich! Danke, Opa.

Und Opa wurde älter. Dann auch richtig alt. Er schlief direkt neben uns Jungs eine Treppe hoch. Die Eltern schliefen unten und hörten ihn nicht. Er fantasierte nachts, er sah den Raum voll mit Gestalten. Ich habe ihn gehört, ich habe ihn beruhigt. Und hab gesagt. „Opa, hier ist niemand. Jetzt schlaf gut. Ich brauche auch meinen Schlaf. Ich muss morgen zur Schule.“

Opa Heinrich ist dann in seinem Bett eingeschlafen und ich, jetzt selbst dreifacher Opa Heiner, durfte ihn auf seinem letzten Weg begleiten.

Ein prima Opa!


*Joppen: einfache Jacke aus dickem Wollstoff
**Elbsegler: bestimmte Form einer Schiffermütze


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