Oma aus der Ferne.
Wie geht das?

Die eine Oma im Wohnzimmer, die andere auf dem Bildschirm. Schön, wenn es so harmonisch klappt!

Je nachdem, wohin es die eigenen Kinder aus privaten oder beruflichen Gründen verschlagen hat – die Wohnorte von Großeltern und Enkeln können wenige Minuten oder Hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen. Und so ist das Schicksal als „Ganz-nah-dran-“ oder „Weit-weg-Oma“ und -Opa in der Regel mit der Geburt des Enkelchens besiegelt. Das hat jeweils eindeutige Vor- und Nachteile für die Enkel, die Eltern aber hauptsächlich für die Großeltern. Wir haben uns mit einer Oma unterhalten, die beides kennt. Sie erzählt uns, wie verschieden die Beziehungen zu ihren Enkelkindern durch die unterschiedlichen Entfernungen wirklich sind.


Ich bin eine „Ganz-nah-dran-Oma“ UND eine „Weit-weg-Oma“!


Bianca aus Frankfurt hat mittlerweile vier Enkel im Alter zwischen 10 Monaten und 10 Jahren. Die erste Enkeltochter wurde in Frankfurt geboren. Bianca war von Tag Eins an ganz eng involviert sie war also eine „Alltags-Oma“, die ihre Enkeltochter in alltäglichen Situation besuchen und erleben konnte. Besuche auf dem Spielplatz, am Wochenende, aber auch das erste Kita-Sommerfest waren selbstverständlich. Bianca genoss und genießt es noch heute, eine Oma für alle Fälle zu sein.

Mit einer dagegen komplett anderen Situation sah sie sich dann nach 5 Jahren konfrontiert, als das zweite Enkelchen auf die Welt kam. Denn das lebte einige hundert Kilometer entfernt.

Ein Enkel in der Ferne: Wie ist das?

„Schon bei der Schwangerschaft und Geburt war es ganz anders“, sagt Bianca. Während sie bei der Tochter in der ersten Enkel-Schwangerschaft den Bauch quasi jeden Tag ein Stück wachsen sehen konnte, intensiv an allem teilnahm und auch regelmäßig unterstützen konnte, war dies bei der Schwiegertochter nur noch bedingt möglich. Ich musste aus der Ferne zusehen. Das war ich nicht gewöhnt. Die Vorfreude war natürlich trotzdem nicht weniger groß.“ Große und kleine Erlebnisse wie die ersten Schritte, erste Worte aber auch lustige alltägliche Anekdoten konnte sie plötzlich nicht mehr live miterleben.


Ich möchte am liebsten alle Enkel bei mir haben.


„Ich war froh, als mein Sohn und die Schwiegertochter einführten, uns regelmäßig über Whatsapp mit Fotos und Sprachnachrichten oder auch per Skype auf dem Laufenden zu halten“, sagt Bianca. „Da konnten wir auch an alltäglichen Dingen teilhaben. Die Technik ist da wirklich hilfreich. Wenn es das nicht gäbe, wäre es furchtbar. Ich möchte doch am liebsten alle meine Enkel bei mir haben.“ So wird bis heute in regelmäßigen Abständen per Skype beim Lego-Bauen zugeguckt oder über das neu erworbene Seepferdchen-Abzeichen gesprochen. Wichtige Ereignisse wie Geburtstage oder im nächsten Jahr der erste Schultag werden fest im Kalender eingeplant und dann steigt man eben in die Bahn. Bianca hat sich dafür extra eine BahnCard angelegt. So kann man auch mal spontan die Reise antreten. Denn wenn mal „Not am Mann“ bei der entfernten Familie ist, weil sich mal wieder Eltern und Kinder gleichzeitig einen fiesen Infekt eingefangen haben, dann ist Bianca zur Stelle: „Wenn ich mich gleich morgens in den Zug setze, bin ich am Mittag zur Unterstützung da.“ Denn da möchte sie genau so helfen, wie sie das bei den Enkeln in Frankfurt kann. „Ich fühle mich oft hin und her gerissen, weil alle ein Recht auf meine Unterstützung haben.“

Was für unterschiedliche Rituale gibt es?

„Meine Enkel hier in Frankfurt bekommen immer mal wieder ein kleines Geschenk von mir. Wir gehen zusammen Eis essen oder ich besorge Kleidung, die sie gerade benötigen. Da bin ich ja immer auf dem Laufenden“, sagt uns Bianca, die ihre Enkel in Frankfurt fast wöchentlich sieht. Für die Enkel in der anderen Stadt ist das etwas anders. „Wenn ich meinen Sohn und seine Familie alle paar Monate einmal besuche, habe ich immer ein Geschenk für meinen Enkel im Koffer. Das ist zum Ritual geworden. Das erwartet er mittlerweile schon und er ist jedes Mal so aufgeregt, bis ich endlich meinen Koffer geöffnet habe.“ Der Besuch wird immer zu einem Erlebnis, weil man wenig gemeinsame Zeit hat. Die wird dann intensiv genutzt, zum Beispiel indem das geliebte Eisessen zelebriert wird. Die Vorfreude darauf ist bei Oma und Enkeln gleichermaßen groß. Und wenn die Kinder mal wieder aus ihrer Kleidung herausgewachsen sind, wird für die Enkel in der Ferne dann einfach etwas Neues online bestellt und nach Hause geschickt. So kommt niemand zu kurz.


Ich liebe alle meine Enkel gleich!


Schade findet Bianca vor allem, „dass ich nicht so oft kuscheln kann wie mit den Enkeln in Frankfurt“. Während die bei ihr ein und ausgehen und auch alleine bei ihr übernachten, brauchen die Kinder aus der Ferne eine Art Aufwärmphase bei jedem Besuch. „Man merkt, dass unser Enkel immer etwas Zeit braucht, bis er wieder bei uns „angekommen“ ist. Immer wenn er sich wieder an uns gewöhnt hat und auftaut, dann fahren sie leider schon wieder nach Hause. Es gibt viele Momente, da wünsche ich mir alle meine Enkel in meine Nähe. Aber letztlich kann man es nicht ändern und sollte sich deshalb das Leben nicht schwer machen. Wir genießen die Zeit, die wir gemeinsam haben. Ich liebe alle meine Enkel exakt gleich. Sie sind unterschiedliche Persönlichkeiten und Charaktere“.

Bis heute wurden noch zwei weitere Enkel geboren. Einmal in Frankfurt und einmal in der Ferne. Aber beides kannte Bianca ja schon bestens.
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