Dr. Leon Windscheid: „Keine Angst vor der Pubertät!“

Dr. Leon Windscheid im Synchronstudio (c) Hanna Boussouar

Es gibt kaum eine Lebensphase, die einen so schlechten Ruf hat wie die Pubertät. Dabei kann gerade eine Zeit voller Veränderungen etwas sehr Schönes sein, sagt Psychologe Dr. Leon Windscheid. Im Interview mit Enkelkind.de-Gründerin Silke Schröckert sprach er über große und kleine Katastrophen während der Pubertät, über das enorme Glück, in dieser Zeit liebende Großeltern zu haben – und über den Film „Alles steht Kopf 2“, in dem er in die Rolle des Vaters eines pubertierenden Mädchens schlüpfen durfte.


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Silke Schröckert: Herr Windscheid, die Pubertät wird von vielen Eltern mit Furcht erwartet. Da fallen Sätze wie „Wie soll das alles noch werden, wenn du erst in die Pubertät kommst?“ oder „Das wird in der Pubertät alles noch viel schlimmer!“. Was macht es mit den Kindern, wenn sie von vornherein solche Dinge über die Pubertät hören?

Dr. Leon Windscheid: Wenn das die Message ist, legt man den Kindern zusätzliche Steine in den Weg in einer Zeit, in der es eh schwierig wird.

Also wird die Pubertät schwierig?

Schon, weil ganz viele Anfänge anstehen: sich selber entwickeln, sich loslösen von diesem sicheren Hafen der Eltern, sich in Gruppen neu zurechtfinden, sich auch vielleicht behaupten müssen gegenüber Mitschülerinnen und Mitschülern. Das spielt ja alles eine Rolle. Gleichzeitig gehört es aber zum Leben dazu, herausfordernde Zeiten zu meistern. Das Leben ist nicht immer nur Ponyhof und Kindergeburtstag, da gibt es auch mal eine Situation, in der du vielleicht mit einer Lehrerin nicht klarkommst oder traurig bist, weil die erste Liebe in die Brüche geht oder andere Kinder auf dem Schulhof dich ärgern. Wenn das nicht dauerhaft ist, also wenn es nicht ins Mobbing kippt, dann ist all das etwas, bei dem ich sage: Gut, solche Erfahrungen gehören dazu. Deswegen finde ich es einfach ehrlich, einem Kind zu sagen: Ey, das ist eine herausfordernde Zeit.

Dr. Leon Windscheid, geboren 1988, ist Psychologe, Unternehmer und Autor. Ab Herbst ist er mit seinem Bühnenprogtramm „Alles Perfekt“ auf Tour.

Eine herausfordernde Zeit – auch für die Eltern.

Genau. Und das kann man ja auch so mit den Kindern teilen: Hey, das wird für uns als Erwachsene auch spannend. Aber man muss das nicht alles düster zeichnen und sagen: Das wird jetzt die absolute Katastrophe und der Weltuntergang.

Aber es wird sich einiges ändern.

Ja, aber das kann auch was Schönes sein. Das ist etwas, was man mit einer Neugier nehmen kann und mit einem Interesse und mit einer Vorfreude auf etwas, was man noch nicht kennt.

In der Pubertät ist einem sehr viel sehr, sehr peinlich. Kann man sich da wirklich drauf freuen?

Das Gute ist: Selbst die vermeintlich unangenehmste Situation ist ganz schnell wieder vorbei. Und weil wir in der Zeit so viel erleben, so formbar sind, so viel Neues dazu kommt, ist das etwas, was man schnell wieder vergisst. Dann kommt schon die nächste Erfahrung.

Wie sehr können andere Bezugspersonen, zum Beispiel Omas und Opas, helfen in dieser Zeit?

Wir brauchen ein Dorf, um einen Menschen groß werden zu lassen. Und dazu gehören einfach auch noch mal andere Menschen als nur die Eltern. Ich denke, die Grundvoraussetzung ist, dass ein Kind eine Person in seinem Leben hat, die dieses Kind bedingungslos liebt. Eine! Und alle anderen sind schon Bonus. Und wenn ich das große Glück habe, dass es neben meinen Eltern vielleicht noch eine Oma gibt, von der ich mal einen ganz anderen Blick bekomme, weil die mehr Erfahrung hat, weil die vielleicht gelassener ist, weil die Sachen noch mal anders sehen kann und einsortieren kann, als meine Eltern das können – dann würde ich unbedingt dazu raten, mir auch da eine Meinung abzuholen.

Im Film „Alles steht Kopf 2“, der aktuell im Kino läuft, sprechen Sie den Vater der Hauptfigur Riley, die gerade in die Pubertät kommt. Ist Ihr Verständnis für die eigenen Eltern, die Sie als Jugendlichen in der Pubertät aushalten mussten, dadurch ein bisschen gewachsen?

Das war sowieso schon sehr groß. Wer mich in der Pubertät erlebt hätte, hätte gesagt: Junge, sei deinen Eltern verdammt dankbar. Und das bin ich.

Vielen Dank für das Gespräch.


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