Eltern hetzen oft durch den Alltag – und die kleinen Pausen bleiben auf der Strecke. Julia Knörnschild, Mutter von zwei kleinen Kindern und Autorin von „Luise braucht `ne Pause“, erzählt im Interview mit Enkelkind.de, warum diese Auszeiten schon für Kinder lebensnotwendig sind – und wie Großeltern helfen können, dass die Enkel Ruhe, Gelassenheit und schöne Momente erleben. Ein Gespräch über kleine Rituale, entspannte Familienzeit und die besonderen Augenblicke, die in der Kindheit wirklich hängenbleiben.
„Pausen sind keine Belohnung. Pausen sind lebensnotwendig.“
Liebe Julia, „Dein Alltag ist ihre Kindheit” – diesen Spruch hören junge Eltern häufig. Was löst er bei dir als Mutter von zwei jungen Kindern aus?
Als ich ihn zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich: „Boah, der sitzt.“ Der Gedanke löst in mir ein schlechtes Gewissen aus. Denn der Alltag ist oft purer Stress. Wir müssen schnell zur Kita, schnell dies, schnell das – schnell, schnell, schnell. Oft ist man in diesem „Schnellmodus“ sogar, wenn man gar keinen wichtigen Termin hat. Und dann denke ich mir schon: Oh man, nicht, dass die Kinder das von ihrer Kindheit behalten. Denn wir machen auch so viele schöne Sachen! Hoffentlich bleiben die hängen – und nicht der Stress.
Eltern probieren oft, all diese Termine einzuhalten, noch zum Babyschwimmen und zur frühkindlichen musikalischen Förderung und so weiter zu hetzen – und gleichzeitig soll man Kindern aber eigentlich eine Schutzhöhle bieten, in der sie Ruhe und Entspannung finden. Wie passt das zusammen?
Allein wenn ich „frühkindliche Musik“ höre, kriege ich direkt wieder ein schlechtes Gewissen. Ich würde das gern machen, aber es ist einfach nicht möglich.

Nach der Kita ist ja schon wieder kurz vorm Abendessen, gerade im Winter. Ich weiß gar nicht, wie andere das hinbekommen. In dieser Welt, in der beide Eltern arbeiten, ist es total schwer, einen schönen Alltag zu zaubern.
Mit deinem Buch „Luise braucht `ne Pause“ hast du probiert, genau das einzufangen. Darin geht es um kleine Auszeiten im Alltag – und um die Frage, welche Qualität diese Auszeiten haben. Was ist denn der Unterschied zwischen einer guten Pause und einer schlechten Pause im Familienalltag?
Eine gute Pause ist alles, was guttut. Das ist bei jedem Menschen anders. Meine Lieblingspause aktuell ist, dass ich selbst Kerzen herstelle, die bringt meinen Akku in den grünen Bereich. Und die Natur. Rausgehen. Das ist für mich auch eine gute Pause.

Eine schlechte Pause ist für mich Zeit am Handy. Da geht die Zeit unglaublich schnell rum. Mein Akku ist leer, ich bin danach nur gestresster.
Woran merkst du ganz persönlich, dass es Zeit ist für eine Pause bei euch im Familienalltag?
Meistens, wenn es zu spät ist. Wenn die Laune komplett beschissen ist. Dann ist es auch echt schwer, die Kinder erstmal rauszubekommen. Es ist einfach diese Stimmung, in der viel schneller überreagiert wird – von allen.

In deinem Buch geht es auch darum, dass Kinder von klein auf lernen sollen, dass Pausen keine Belohnung sind, sondern etwas Lebensnotwendiges. Wie bekommt man das als Elternteil hin, diese wichtige Botschaft den Kindern wirklich zu vermitteln?
Ich mache das, indem ich es ihnen vorlebe. Die Kinder wissen zum Beispiel, dass ich auch ab und zu allein Urlaub mache. Das ist für sie Normalität, dass Erwachsenen allein wegfahren und dass das eine gute Pause ist.
Merken deine Kinder, wenn du eine Pause brauchst?
Natürlich. Aber dann kann ich zu ihnen auch sagen: Es hat nichts mit euch zu tun. Ich muss mich beruhigen, ich muss meine Batterie wieder auf grün laden. Und das war auch ein Grund, warum ich das Buch gemacht habe, um das zu visualisieren. Damit die Kinder verstehen, wie wichtig es ist, wenn die Batterie rot ist, dass sie wieder grün wird und dass das dann nichts mit anderen Personen zu tun hat.

Wie kommt es, dass Eltern trotzdem so ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie sich eine Pause gönnen?
Ich glaube, das liegt an den Rollenvorbildern, die wir hatten. Mütter müssen sich selbst aufgeben und es geht nur noch um alle anderen. Dann vergisst man, welche Pause einem guttun würde, was für ein Hobby man überhaupt gut finden würde. Das ist so wichtig, dass man da was für sich findet, auch wenn es nur fünf Minuten am Tag sind, in denen man nur etwas für sich macht.
Ist das die Botschaft, die bei Eltern hängenbleiben soll, die dein Buch lesen?
Die Botschaft ist: Pausen sind keine Belohnung. Pausen sind lebensnotwendig und man sollte Pausen machen, bevor man sie braucht. Pausen gehören zum Alltag dazu, wie alles andere auch. Pausen sind etwas, was jeder und jede von uns braucht.
Die Akku-Balken in dem Buch sind dafür da, dass die Kinder besser verstehen, wie ihre Eltern funktionieren. Was – außer dass wir alle Pausen brauchen – müssen Kinder über uns Erwachsene noch verstehen?
Dass Eltern nicht alles wissen, dass sie nicht die Antwort auf alles haben. Und dass der Alltag, den sie haben, nicht der gleiche Alltag ist wie bei anderen auch.
Weil jeder seine Energiebalken anders lädt?
Zum Beispiel. Die Batterien laden schneller und langsamer, je nachdem welches „Ladegerät“ sie benutzen. Es gibt Pausen, die die Akkus schneller auf grün füllen und Pausen, die langsamer helfen. Deswegen fragt Luise am Ende des Buches ihre Mama, wie zum Beispiel ihre Oma Pause macht.

Apropos: Oma und Opa sind ja immer ein guter Helfer, um den Eltern eine Pause zu bescheren. Wie ist das bei euch in der Familie?
Bei uns in der Nähe wohnt leider keine Oma und kein Opa. Umso schöner ist es dann aber, wenn wir meine Mutter auf dem Land besuchen, auf dem Bauernhof, da gibt es Hühner und das ist für die Kinder großartig.
Das klingt auch nach einer wirklich guten Pause.
„Luise braucht ’ne Pause“* von ist erschienen bei arsEdition.
ISBN: 978-3845865843
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